Zombie Nation

Veröffentlicht am 15. Oktober 2026

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Neulich war ich auf dem Völkerschlachtdenkmal, einem wirklich imposanten Bauwerk in Leipzig. Es war ein warmer Spätsommertag, das Abendlicht erzeugte eine wirklich nette Stimmung – und vor mir lief eine vierköpfige Familie die Stufen runter. Der vielleicht 12-jährige Sohn hatte Kopfhörer auf und hielt beim Gehen sein Smartphone in der Hand. Seine Atmosphäre war die, die er durch sein Telefon bekam. Und die er auch überall anders auf der Welt in diesem Moment hätte bekommen können.

Gestern bin ich während der abendlichen Rushhour laufen gewesen. Auf einem Spielplatz startete gerade eine Mutter mit ihrer vielleicht 4-jährigen Tochter auf dem Fahrrad auf den Weg nach Hause. Die Tochter hielt ein Smartphone in der Hand und schaute ein Video. Auf dem Fahrrad. Im Fitnessstudio drei Straßen weiter blockierte ein junger Kerl Anfang 20 ein Gerät, tief versunken in sein Smartphone. An der Ecke standen drei Jugendliche zusammen. Eine führte einen Video-Call, zwei scrollten TikTok. Kurz vor Schluss stoppte ich dann noch für einen Radler, der abgelenkt von seinem auf den Lenker gespannten Telefon die Straße entlangfuhr.

Ich nehme mich nicht aus. Ich höre beim Sport häufiger, als ich sollte, Podcasts, checke zu oft meine Mails und versenke vor allem immer wieder Lebenszeit in Instagram, ohne dass der Informationsgewinn irgendwie im Verhältnis zum Nutzen stehen würde. Gleichzeitig kämpfe ich einen schwierigen Kampf und versuche einer 10-Jährigen standhaft den sehnsüchtigen Wunsch nach einem eigenen Smartphone abzuschlagen, während in ihrem Umfeld zunehmend nur noch darüber diskutiert wird, ob es jetzt ein iPhone oder ein Android-Phone sein muss. Unter Unterstufen-Kids.

Das alles in einer Zeit, in der wir bei der Robotik- und KI-Entwicklung auf der Exponentialkurve schon recht weit rechts liegen, was wir aber individuell und kollektiv nicht recht zu greifen zu bekommen scheinen. In einer Zeit also, in der wir die Rente mit 63 so lange diskutieren, bis es womöglich gar nichts mehr zu verteilen gibt. Entweder weil menschliche Arbeit als Dreh- und Angelpunkt unserer Gesellschaft entfällt, oder weil wir generationenübergreifend nur noch Brei im Kopf haben. Je nachdem, was zuerst kommt.

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