Veröffentlicht am 21. Mai 2026
Ich bin so alt, ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der Blogs als die "Klowände des Internets" diffamiert wurden. Abgelöst wurden sie durch Twitter, auf dem man "Micro Blogging" betreiben und ernsthafte Konversationen entdecken und selbst führen konnte. Irgendwann ist alles miteinander verwachsen, aber Blogs als eigenständige reichweitenstarke Medien sind bis auf wenige Ausnahmen schon mindestens so lange verschwunden wie die Möglichkeit, sich auf "Social Media" an zivilisierten Debatten zu beteiligen.
Was sich in all der Zeit über knapp 25 Jahre nicht verändert hatte: Wollte man etwas wissen, googelte man. Kämpfte sich durch Anzeigen, furchtbaren SEO-Content und landete mit etwas Glück auf einer Website, die Antworten lieferte. Google verteilte den Traffic über das gesamte Web und verdiente gut daran.
Letzteres scheint so zu bleiben, wenn man sich die letzten Quartalsergebnisse ansieht. Ersteres hat sich erledigt, mit spannenden Effekten:
Durch Einführung der KI-generierten Übersichten sinkt der Traffic auf praktisch allen Websites über Google kontinuierlich. Das mag zu einem gewissen Teil kein großes Drama sein, denn der AI Slop hat auch das Web in den letzten Jahren überflutet und immer schwachsinnigeren Content produziert, solange er sich jedenfalls gut klickte. Das ist nun vorbei und damit stirbt auch originärer Content. Dieser wird von Google, aber auch den Bots von OpenAI, Anthropic usw. verarbeitet, eintrainiert oder on-the-fly eingearbeitet und dann in irgendeiner Form wieder ausgespuckt, die in der Regel keinen Verweis zum Ursprung mehr liefert. Und selbst wenn sie das tut, ist die Originalquelle in diesem Moment meist nicht mehr wichtig, denn die Frage ist ja beantwortet. Wenn das Geschäftsmodell lautete, hochqualitative Inhalte zu erstellen und vielleicht mit ein wenig Werbung oder Affiliate-Links zu finanzieren, dann hat sich das inzwischen erledigt.
Das hat offenbar einen weiteren kuriosen Seiteneffekt: Wenn man keinen Traffic über Google mehr bekommt, muss man seine Zielgruppe anders erreichen. Aber wo ist diese? Natürlich scrollend vor TikTok und Instagram. Wie kommt man da in die Timeline? Über Influencer. Wenn man denn noch einen erreicht. Denn wie sich herausstellt, haben gerade quasi alle diesen Gedankengang und die Influencer dieser Welt kommen gar nicht mehr hinterher, die ganzen Anfragen abzuarbeiten.
Das Erste habe ich kommen sehen. Aber das hier hatte ich nicht auf meiner Bingokarte.